Zum Hauptinhalt springen

Menorca 2017 - 2019

Skizzenbuch 23

Dieses Skizzenbuch hatte bereits eine längere Reise hinter sich. Im Juli war es Teil meines Rucksackgepäcks durch die Tiroler Alpen und dann füllte es sich erst in der Bucht von Santandria. Während der Bergtouren zu zeichnen ist für mich noch gewöhnungsbedürftig; an den Tagen, an denen 1000 Höhenmeter auf und ab zu bewältigen waren bzw. dazu noch lange Wege, war mir nicht nach zeichnen. An den "kurzen" Tagen war das einfacher, vor allem dort, wo Wege und Strecken mir schon bekannt waren, so rund um das Westfalenhaus und die Lüsens. Wobei der anschließende Übergang zur Pforzheimer Hütte dann doch recht herzhaft wurde.

Die Menorcanischen Skizzenbücher

Die letzten Jahren verbrachten wir unseren gemeinsamen Urlaub zwischen Mitte September und Anfang Oktober auf Menorca, nahe Ciutadella, der alten Inselhauptstadt. Die heutige Inselhauptstadt ist Mao an der Ostküste der Insel. Dazwischen gibt es eine einzige Straße, die die beiden Städte miteinander verbindet und von der hin und wieder Stichstraßen zu kleinen Orten, Buchten oder landwirtschaftlichen Gehöften führen.

Wenn ich Kollegen oder Bekannten von Menorca schwärme, können die meisten nicht verstehen, was mich da so begeisterte. Ja, schön, Urlaub auf einer Baleareninsel, viele Touristen, hier: viele Engländer. Natürlich finden sich an den touristischen Highlights alle Sachen, von denen man sich gerne distanzieren würde. Ja, es gibt genügend Ecken, die - einmal gesehen - keinen zweiten Besuch benötigen. Doch es gibt noch die anderen Seiten, gut versteckt und nur zu Fuß zugänglich.

Menorca 2017 - 2019

 

Für mich hat die Insel noch andere Facetten. Bereits bei unserem ersten Aufenthalt - wir nutzten die Buslinien einer der drei Busgesellschaften der Insel - haben wir meistens die kleineren Buchten mit ihren weißen Sandstränden im Süden aufgesucht. Schön ist, daß die Menorciner hier die Zugänge limitiert und die Autoparkplätze ein paar Kilometer von der Küste ferngehalten haben. Je länger die Fußwege zu diesen Buchten, desto weniger Menschen finden sich dort zusammen. Klar, da gibt es noch die Boote, die bis auf wenige hundert Meter heranfahren dürfen usw. Und dennoch gibt es Strände, Buchten, Dünenlandschaften, Felsengruppen, die wie unberührt wirken. Wer sich die Mühe macht, den langen Camí de Cavalls zu gehen - ein Fuß- und Pferdeweg rund um die bodenseegroße Insel - der entdeckt diese Orte sicherlich. Allerdings gibt es keinerlei Infrastruktur in Form von Hütten oder Hostals entlang dieses Weges. Besonders entlang der Nordküste ist es über lange Strecken sehr einsam. Die Insel ist hügelig und so führt der Camí von Buchten über kleine Plateaus zu anderen Buchten, durch Steineichen- und Kiefernwälder, durch Macchia und Felsformationen.

Die Gehöfte liegen meistens mitten in den Feldern, die mit Steinmauern gegen den Wind eingefasst sind. 2011 gestatteten die Grundbesitzer das Überschreiten ihres Grundes zur Einrichtung des Camí.

In einer kleinen Villa am Ortsrand von Ciutadella, völlig abgeschieden vom Verkehr der Hauptstraße und aller touristischen Umtriebe, fing ich an die Umgebung zeichnerisch zu erfassen, dehnte die Kreise immer weiter aus, erkundete den alten Fischerstadtteil Santandria, die kleinen Buchten, die Gehöfte und so entstanden mehrere Bücher voll mit meist farbigen Zeichnungen.

Der Vorrat an Skizzen umfasst noch die kleinen, engen Gassen in der Altstadt Ciutadellas, den Platz mit den beiden Frauen im Springbrunnen (Plaza Alfonso III) und seinen Cafés, eine detailreichere aquarellierte Tintenzeichnung des Oficina de Turismo de Ciudadela, den Placa dels Pins mit seinen Bars und allen voran den Strand der Cala Santadria. Diese, meine morgendliche Schwimmstrecke bei Sonnenaufgang, hat im Detail noch viele Motive, die diese Reihe menorcanischer Bilder fortsetzen lassen.